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Lotse Herbstausgabe 2020

Die aktuelle Ausgabe ist auf dem Weg zu unseren Mandanten. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen und veröffentlichen die einzelnen Beiträge nach und nach hier auf unserem Blog

In dieser Ausgabe lesen Sie

  • Förderprogramm Digital
  • Die elektronische Signatur
  • Liquiditätsgewinn durch Verlustrücktrag
  • Rückzahlung der Corona-Soforthilfe
  • Degressive Abschreibung
  • Risiken Gestalten
  • Virtuelle Beziehungspflege
  • Unterstützung für Ausbildungsbetriebe

Erfolgreich Planen – von den Zielen bis zur Umsetzung

Haben Sie sich mal überlegt, wieso alle größeren Unternehmen eine Planung und ein Controlling haben? Ist es, weil die nicht wissen, wie sie ihre Mitarbeiter beschäftigen sollen, oder hat es einen tieferen Grund? Fragen wir unsere kleineren Mandanten, so heißt es oft: „Das habe ich im Kopf“ oder „Mein Bankkonto ist meine Planung“. Aber sollten wir uns denn nicht, gerade in den Zeiten, in denen es durch Herabsetzungen, Stundungen und Umsatzausfälle komplexer wird, nicht diese großen Unternehmen als Vorbild nehmen? Irgendwann ist die Grenze dessen erreicht, was man im Kopf planen kann. Weitere Notwendigkeiten einer Planung sind:

  • Eine schriftliche Planung schafft Sicherheit, vor allem dann, wenn Szenarien aufgezeigt werden.
  • Eine schriftliche Planung weist manchmal auch schon auf Handlungsoptionen hin.
  • Eine schriftliche Planung kann mit den tatsächlichen Ist-Zahlen verglichen werden.
  • Eine schriftliche Planung schafft Gewissheit bei der Frage nach der Unternehmensfortführung.
  • Eine schriftliche Planung will die Bank, wenn es um Kreditvergaben geht.
  • Oder denken Sie an eine Unternehmensveräußerung: Eine schriftliche Planung ist Grundlage für eine Unternehmensbewertung. 

Wir könnten noch weitermachen, aber belassen wir es bei diesen Beispielen.

Bei einer schriftlichen Planung setzen Sie sich intensiv mit Ihrem Unternehmen auseinander. Sie überlegen, wohin sich Ihr Unternehmen entwickeln soll, welche Umsatzsparten Sie bereits haben oder haben wollen. Sie definieren Ziele. Sie beschäftigen sich mit Ihrer Work-Life-balance. Sie arbeiten einfach gesagt AN Ihrem Unternehmen und AN Ihrem Leben. Denn Ihr Unternehmen ist unbestritten einer Ihrer wichtigen Lebensinhalte.

Doch was ist eine Planung? Wie viele Jahre müssen geplant werden? Reicht es aus, auf Jahresbasis zu planen, oder muss auf Monatsbasis geplant werden? Wie genau muss eine Planung sein? Was ist, wenn es nachher nicht so kommt?

Wenn Sie „Planung“ googeln, dann finden Sie oft folgende Definition:

„Planung ist die gedankliche Vorwegnahme zukünftigen Handelns durch Abwägen verschiedener Handlungsalternativen und Entscheidungen für den günstigsten Weg.“

Diese Definition erinnert mich sehr an eine Wanderkarte. Auch dort schaue ich mir an, welchen Weg ich nehme, um mein Ziel zu erreichen. Welche Wegbegleiter habe ich, an die ich die Wegstrecke anpassen muss, welche Ausweichwege, oder auch mal: Welche Abkürzungen gibt es?

Schauen wir uns nun konkret eine Planung an. Je nach Anlass umfasst die Planung mehrere Jahre, wie bei einer Unternehmensbewertung, oder nur einen kurzen Zeitraum, wie zum Beispiel in der aktuellen Corona-Krise bei der Frage: „Wenn morgen nochmals die Umsätze auf null zurückgingen, wie lange würde mein Unternehmen überleben?“ Wollen Sie es ausrechnen? Dann los! Sie planen die anfallenden Kosten und rechnen diese auf einen Durchschnitt runter. Ermitteln Sie dann den verfügbaren Betrag aus allen Bankkonten und Kreditlinien. Im letzten Schritt teilen Sie den verfügbaren Betrag durch die monatlichen Durchschnittskosten. Jetzt sind Sie bei der finanziellen Reichweite angelangt, also der Anzahl von Monaten, die Ihr Unternehmen ohne Hilfe und ohne Umsatz überleben könnte.

Es gibt viele Menschen, die sind Perfektionisten. An sich eine hervorragende Eigenschaft. Bei der Planung wird man sich hier jedoch verirren. Das wissen die Perfektionisten, und deshalb fangen sie oft erst gar nicht mit einer Planung an. Lieber Leser, wenn Sie auch so ein Perfektionist sind, dann ist das grundsätzlich klasse. Aber bitte: Planen Sie trotzdem! Keine einzige Planung wird genauso umgesetzt. Es ist Aufgabe des Controllings, Planungsabweichungen festzustellen, zu analysieren, gegenzusteuern und vielleicht einen neuen Plan aufstellen. Der erste Schritt aber ist immer die erste Planung.

Die Art einer Planung hängt ebenso wie die Planungstiefe und die Anzahl der Jahre von dem Sinn und Zweck der Planung ab. Manchmal ist nur eine Ertragsplanung notwendig. Nämlich dann, wenn Sie nur einen Soll-Ist-Vergleich haben möchten, oder wie im obigen Beispiel, die finanzielle Reichweite ausrechnen wollen. In den meisten Fällen wird jedoch eine integrierte Ertrags- und Liquiditätsplanung erforderlich sein. Insbesondere dann, wenn mit der Bank der Kreditbedarf besprochen werden soll. Denn hier ist gefragt, wie viel Liquidität das Unternehmen benötigt. Dazu muss man jedoch zuerst eine Ertragsplanung erstellen, aus der sich unmittelbar die Liquiditätsplanung ableitet. Das liest sich so, als ob dies ein Kinderspiel wäre. Tatsächlich gibt es hierbei einige Stellmöglichkeiten, die bedacht und besprochen sein wollen.

Die Perfektionisten werden jetzt wahrscheinlich schnell weiterblättern, denn das scheint zu viel Zeit zu beanspruchen. Ja, man kann sich in einer Planung verlieren. Und nein: Als Kanzlei sind wir an Ihrer Seite und planen mit Ihnen. Um im Beispiel der Wanderkarte zu bleiben: Die Planung wird den Maßstab haben, den Sie benötigen, um den Weg für Ihr Unternehmen klar zu erkennen. Denn Sie als Chef müssen wissen, wohin es gehen soll. Sprechen Sie uns an, wir helfen Ihnen dabei!

Kleine Preissteigerung – große Wirkung

Der Anfang des Jahres wird von einigen Mandanten gern genutzt, um sich mit den Unternehmenszahlen auseinanderzusetzen und auf Basis des abgelaufenen Jahres für das neue Jahr zu planen.

Zwei dieser Unternehmer, die gemeinsam eine Maschinenbau- GmbH betreiben, haben mich dann einmal gebeten, einen kritischen Blick darauf zu werfen und die Zahlen mit ihnen zu diskutieren.
Die 5-Jahres-Planung selbst war gut gemacht. Wo geht der Trend hin, wie entwickelt sich die Branche und die Kosten. Preissteigerungen für Wareneinkauf waren berücksichtigt und an weitere Mitarbeiter für die Umsatzsteigerung gedacht. Doch das Ergebnis unterm Strich hat mir nicht so richtig gefallen und ich habe nachgebohrt.

Was ist denn mit dem Unternehmerlohn? Ist der immer noch gleich geblieben bei immer höherer Verantwortung? Wie sieht es mit Reserven für Ersatzinvestitionen aus, wenn eine Maschine oder ein Auto ausfällt? Immer gleich einen Kredit beantragen – auch wenn das für dieses Unternehmen kein Thema wäre – das muss doch nicht sein. Und siehe da, daran hatten die beiden nicht gedacht.

Also haben wir uns die Preisentwicklung angesehen. Es hat sich herausgestellt, dass sie immer nur die Mehrkosten weitergegeben haben. Die beiden stehen wirklich ihren Mann und arbeiten mehr oder weniger rund um die Uhr, da die Firma in den letzten Jahren stark gewachsen ist. Ein moderater Gewinnaufschlag ist da mehr als nur angemessen. An diesem Punkt haben wir eine zeitlang diskutiert, da sie befürchtet haben, aufgrund höherer Preise Kunden zu verlieren.

Ich hatte ihnen dann eine Hausaufgabe gegeben und sie gebeten, in der Planung pro Jahr alle Aufträge mit 3% mehr zu kalkulieren – diesen Wert haben wir für realistisch und durchsetzbar gehalten – und dann trafen wir uns wieder und schauten uns das Ergebnis an.

Bereits eine Woche später waren sie mit den aktualisierten Planzahlen wieder bei mir. Und nach einer kurzen Begrüßung lautete der erste Satz „Danke Frau Steinhäuser für den richtigen Tritt in den Hintern. Das haben wir anscheinend mal gebraucht.“

Die Umsatz- und Gewinnsteigerung, die sich ergibt, wenn jedes Jahr um 3% erhöht wird – und sich wie beim Zinseszinseffekt potenziert – hat sie wirklich verblüfft. Der Umsatz hat sich bereits im ersten Jahr um € 40.000 auf Grund der Preissteigerung erhöht. Das bedeutet gleichzeitig € 40.000 mehr Gewinn, denn alle Kosten wurden ja vorher richtig kalkuliert.

Und dann haben sie mir gestanden, dass sie die Folgejahre nur mit 2% kalkuliert haben. Und auch damit waren wir alle schon zufrieden.

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